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Russische Kulturtage 2019 "Kultur-Transfer-Dialog" | Kafka und Gorbachev

Prof. Zherebin erläutert die Rolle der russischen Kafka-Rezeption im soziokulturellen Diskursfeld der Wende-Zeit am Beispiel des Dramenfragments „Der Gruftwächter“ (1916). In diesem hatte Kafka die letzten Tage der Habsburger Monarchie in einer verfremdeten phantasmagorischen Form dargestellt.
Wann 20.11.2019
von 18:00 bis 20:00
Wo KG I, HS 1009
Name
Kontakttelefon 0761-203-98567
Teilnehmer (Prof. Dr. Alexej Zherebin, Russische Staatliche Pädagogische Herzen-Universität St. Petersburg)
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Referent/Referentin:
Prof. Dr. Alexej Zherebin (Russische Staatliche Pädagogische Herzen-Universität St. Petersburg)

Termin:
Mittwoch, 20.11.2019, 18:00 Uhr - 20:00 Uhr

Ort:
KG I, HS 1009

Termin übernehmen:
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Ausführliche Beschreibung:

Franz Kafka war einer von denen, die – ohne es zu wissen – in ihren literarischen Werken den komplexen Text der (spät)sowjetischen
Geschichte Russlands entworfen haben. Wie die ersten russischen Leser*innen sofort erkannten (die Übersetzungen erschienen erst nach
1960), war die Welt seiner Dichtungen schon seit jeher ihr Lebensraum, den sie deuteten und gestalteten, indem sie die Leerstellen ausfüllten:
„Kafka erzählte von mir und für mich“ – hält z.B. Anna Achmatova fest und meint damit ebenso ihre eigene Erfahrung des Ausgeliefertseins
an die Macht des totalitären Staates wie die ihrer Zeitgenossen. In einer anderen Weise bekannten sich später die Vertreter*innen der
jüngeren Generation der russischen Intelligencija zu Kafka, deren Weltbild und Habitus durch das historische Ereignis des Zusammenbruchs
des Kommunistischen Imperiums geprägt worden war.

Die Rolle der russischen Kafka-Rezeption im soziokulturellen Diskursfeld der Wende-Zeit wird im Vortrag am Beispiel des Dramenfragments
„Der Gruftwächter“ (1916) erläutert, in dem Kafka die letzten Tage der Habsburger Monarchie in einer verfremdeten phantasmagorischen
Form dargestellt hat.

Die deutsche Erstveröffentlichung (1952) erregte wenig Aufsehen. Seinen eigentlichen Wirkungsbereich fand das kleine Meisterstück erst
40 Jahre später, durch die Einbettung in den fremdkulturellen Kontext der postsowjetischen „Zeit der Wirren“. Seine russische Publikation von
1992 wurde zur Voraussetzung dafür, die „Doppelgestalt“ von Michail Gorbachev und das tragische Scheitern seiner Reformpolitik begreifen
zu können – als eine von Kafka dargestellte „Verkennung, die nicht ohne Größe ist“.



Interne Verantwortlichkeit:
Slavisches Seminar

Veranstaltende Institution(en):
Internationales Graduiertenkolleg 1956 "Kulturtransfer" zusammen mit dem "Zwetajewa-Zentrum für russische Kultur an der Universität Freiburg e.V."

Kontaktperson:
Name: Dr. Katharina Bauer
Tel: 0761-203-98567
E-Mail: katharina.bauer@igk1956.uni-freiburg.de

Webadresse:
https://www.igk-kulturtransfer.uni-freiburg.de/

vortrage_uie-veranstaltungsart philologie_uie-themengebiet politik_uie-themengebiet sprache-land-und-literatur_uie-themengebiet 1050000000_uie-organisation 1050900001_uie-institut

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